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Website © S. Falkenstein |
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Runder Tisch in Berlin Überlegungen zur Umgestaltung des "T4" Gedenkortes
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Serra
Skulptur und Gedenktafel
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29.01.2007 - Einrichtung des Runden Tisches "Aktion T4" - mit diesem Tarnbegriff bemäntelten die Nationalsozialisten ihr Mordprogramm an Kranken, abgeleitet von der Adresse der Stadtvilla Tiergartenstraße 4, in der dieses so genannte "Euthanasie"-Programm geplant und organisiert wurde. Den vielfach geäußerten Unmut über die jetzige Situation an diesem historischen Ort (die nachträglich den Opfern gewidmete Plastik "Berlin Junction" von Richard Serra in Verbindung mit einer kleinen Bodenplatte) hat die Stiftung Topographie des Terrors zu Beginn des Jahres 2007 zum Anlass genommen, Betroffene, engagierte Bürgerinnen und Bürger, Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Einrichtungen und zuständiger Behörden zu einem Runden Tisch einzuladen, um über die notwendigen Schritte hin zu einer Neugestaltung des Ortes zu beraten. Seither trifft sich der Runde Tisch regelmäßig in den Räumen der Stiftung Topographie des Terrors. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf den aktuellen Missstand aufmerksam zu machen und die Diskussion um eine angemessene Neugestaltung des Gedenkortes im Rahmen der städtebaulichen Umgestaltung des Kulturforums voranzutreiben. Ziele des Runden TischesGrundsätzliches Ziel des Runden Tisches ist die angemessene Gestaltung des historischen Ortes. Hier soll zum einen den Opfern des Mordes an den Patienten gedacht werden können, zum anderen soll über die "Euthanasie"- Programme, die Täter, Opfer und Zuschauer der NS-"Euthanasie", informiert werden. Dazu gehört auch die Darstellung der Vorgeschichte eugenischer Denkweisen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sowie der Umgang mit den NS-"Euthanasie"-Morden in der BRD und in der DDR. Da die Bus-Endhaltestelle gegenüber der Philharmonie, auf dem Areal des ehemaligen Grundstücks Tiergartenstraße 4, nicht mehr benötigt wird, wurde das Gelände zur Umgestaltung in den von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung betreuten Kulturforum Masterplan aufgenommen. Ausschreibung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, 2009 Um dem emphatischen Gedenken bei der zukünftigen Gestaltung eines Gedenkorts mit einem Ort der Information Raum zu geben, wurde der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten, gebeten, zeitnah einen Kunstwettbewerb ausloben. Die Zuständigkeit für die Ausarbeitung eines dafür benötigten wissenschaftlich fundierten Konzepts soll bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas liegen. Bis zur Realisierung des künstlerischen Konzeptes wird das vorhandene Ensemble durch die Informationstafel zur "Aktion T4", die seit Juli 2008 unweit der Gedenkplatte steht, inhaltlich ergänzt. Dort wird auch auf die geplante künstlerische Umgestaltung des Ortes hingewiesen. Der Gedenk- und Informationsort "Tiergartenstraße 4" sollte Identifikations- und Reflexionsraum sein, der auch Bezug nimmt auf die gegenwärtige Situation von Menschen, die aufgrund von Behinderungen und psychischen Erkrankungen noch heute Diskriminierungen ausgesetzt sind. Eine zentrale Prämisse ist die Barrierefreiheit des Ortes, der gleichermaßen für gehörlose, blinde, körperlich, geistig- und lernbehinderte Menschen zugänglich sein muss. Er sollte auch als Lernort bei der Aufklärung - vor allem von jungen Menschen - eine wichtige Rolle spielen. |
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Aktivitäten des Runden Tisches Der Runde Tisch beschäftigte sich von Anfang an mit Möglichkeiten, die Themen "Aktion T4" und NS-"Euthanasie" wirksam in der Öffentlichkeit zu platzieren und den historischen Ort "Tiergartenstraße 4" deutlicher sichtbar zu machen. Dazu wurde eine Reihe von temporären Projekten beschlossen und umgesetzt: |
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Markierung des Grundrisses |
Markierung des Grundrisses Um den, teilweise von der Philharmonie und dem ehemaligen Busendbahnhof überlagerten, exakten Grundriss der ehemaligen Stadtvilla in der Tiergartenstraße 4 sichtbar zu machen, konnte durch Vermittlung des "Bündnis Blaues Kamel" mit Auszubildenden des zweiten Lehrjahrs Vermessungstechnik der Knobelsdorff-Schule der historische Grundriss der Stadtvilla ermittelt und (exklusive des Bereichs innerhalb der Philharmonie) am 24. April 2008 mit blauem Klebeband markiert werden (nachdem die Azubis zuvor in das Thema NS-"Euthanasie" eingeführt worden waren). |
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Denkmal der grauen Busse |
Denkmal der grauen Busse siehe auch » Vom 18. Januar 2008 bis zum 17. Januar 2009 stand das "Denkmal der grauen Busse" an der Philharmonie.
Das im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbs der Stadt
Ravensburg geschaffene "Denkmal der grauen Busse" von
Horst Hoheisel und Andreas Knitz erinnert an die
Transporte von Patientinnen und Patienten in die
Zwischen- und "T4"-Tötungsanstalten, die mit grau
gestrichenen Bussen der "Gekrat", der
"Euthanasie"-Tarnorganisation, durchgeführt worden
waren. Das Denkmal wurde in zwei Exemplaren gegossen, um
neben der permanenten Installation in Ravensburg auch an
anderen Stätten, vor allem solchen, die für den Mord an
den Patienten einschlägig waren, temporär aufgestellt
werden zu können. Mit Unterstützung des Regierenden
Bürgermeisters von Berlin, Senatskanzlei - Kulturelle
Angelegenheiten, sowie zahlreicher Sponsoren fand die
Aufstellung des zweiten "wandernden" Busses am 18.
Januar 2008 unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit
und breiter medialer Aufmerksamkeit am historischen Ort
der "T4"-Mordzentrale vor der Philharmonie statt. Am
Vorabend hatten Prof. Dr. Stefanie Endlich und die
beiden Künstler in der baden-württembergischen
Landesvertretung "Das Denkmal der Grauen Busse und
andere künstlerische Formen des Gedenkens an die Opfer
der "Euthanasie"-Morde" in einer öffentlichen, mit mehr
als 150 Personen besetzten, Vortragsveranstaltung
vorgestellt. Von Januar bis Oktober 2009 stand das Denkmal in Brandenburg an der Havel. Es folgten die Stationen Stuttgart, Neuendettelsau und Pirna, ... |
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Am 10. Juli 2008 wurde eine vom Runden Tisch initiierte doppelseitige Informationstafel mit Texten in deutscher und englischer Sprache und Abbildungen zur Geschichte der "Aktion T4" unweit der Gedenkplatte in der Tiergartenstraße der Öffentlichkeit übergeben. Die Informationstafel ist ein Ergebnis der Zusammenarbeit des Runden Tisches und der Stiftung Topographie des Terrors und wurde finanziert vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten. Die vertikale, frontal zur Laufrichtung stehende Tafel soll die Aufmerksamkeit der Passanten auf den Ort und die häufig übersehene ebenerdige Gedenkplatte lenken. Sie weist auch auf die geplante künstlerische Gestaltung des Informations- und Gedenkortes "Tiergartenstraße 4" hin. Text auf der Informationstafel (Grafik und Design: Helga Lieser)
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Abbildungen
Zentraldienststelle Aktion T4
Meldebogen zur Erfassung der Patienten |
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Symposium
Die Stiftung Topographie des Terrors und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas haben am 20.01.2009 im Martin-Gropius-Bau ein Symposium durchgeführt, das unter der Überschrift "Umgang mit dem historischen Gelände Tiergartenstraße 4" ausgewählte Fachleute und Vertreter von Betroffenenverbänden zu Wort kommen ließ.
Ziel des öffentlichen
Symposiums war es, "entscheidende Impulse für einen zukünftigen
ganzheitlichen Erinnerungsort zu entwickeln, der einerseits der
Bedeutung des historischen Geländes (Dokumentation) und anderseits
den Wünschen
der Betroffenen (Gedenken) gerecht wird."
Am Ende wurde von den etwa 200 Zuhörern bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen eine Resolution verabschiedet, die Bund und Land bittet, auf der Basis der erörterten wissenschaftlichen Konzepte einen würdigen Dokumentations- und Gedenkort an der Tiergartenstraße 4 herzustellen. Es sprachen: André Schmitz (Staatssekretär für Kultur des Landes Berlin), Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner (ehem. Leiter der Westfälischen Klinik für Psychiatrie Gütersloh), Dr. Gerrit Hohendorf (Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Technischen Universität München), Dr. Michael Wunder (Evangelische Stiftung Alsterdorf), PD Dr. Georg Lilienthal (Leiter der Gedenkstätte Hadamar, Arbeitskreis »Euthanasie«-Forschung), Prof. Dr. Stefanie Endlich (Kunsthistorikerin), Karin Evers-Meyer (Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen), Sigrid Falkenstein (Runder Tisch »T 4« Berlin), Margret Hamm (Bund der »Euthanasie«-Geschädigten und Zwangssterilisierten e. V.), Manfred Kühne (Leiter der Abteilung Städtebau und Projekte in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung). (moderiert von Prof. Dr. Wolfgang Benz) |
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Entwicklung seit 2009 Der Runde Tisch hat den Staatssekretär für Kultur erneut gebeten, sich eines Wettbewerbs und seiner Realisation zeitnah anzunehmen, damit die zwischenzeitlich erreichten partiellen Verbesserungen in ein stimmiges Gesamtkonzept überführt werden können. Darüber hinaus wurde der Staatssekretär gebeten, sich mit dem Bund ins Benehmen zu setzen, um eine Bundesbeteiligung anzustoßen. Bereits 2007 hatte ich mit einer Petition an den Deutschen Bundestag die Neugestaltung des „T4" Areals gefordert und dies mit der Bitte verbunden, das 1999 anlässlich des Beschlusses über die Errichtung des Holocaust-Mahnmals gegebene Versprechen einzulösen, „der anderen Opfer des Nationalsozialismus würdig zu gedenken". In seinem Antwortschreiben stellte der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Neumann, in Aussicht, dass sich der Bund unter bestimmten Voraussetzungen an dem Projekt beteiligen könne. Bisher gibt es allerdings außer Absichtserklärungen keine verbindlichen Zusagen. Die Auslobung eines Wettbewerbs steht aus. Inzwischen ist es gelungen, das Thema beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und beim Kulturausschuss des Deutschen Bundestages zu verankern. Es besteht die Hoffnung, dass es in absehbarer Zeit zu einem fraktionsübergreifenden Antrag an den Deutschen Bundestag kommen wird, mit dem Ziel, für die Realisierung des Dokumentations- und Gedenkortes an der Tiergartenstraße 4 die erforderlichen Bundesmittel bereitzustellen sowie den Gestaltungswettbewerb zur Umgestaltung des Areals, der dann vom Land Berlin ausgeschrieben werden soll, unterstützend zu begleiten. Der Runde Tisch hat mit einem Schreiben an verschiedene Politiker seine Forderung nach einer angemessenen Neugestaltung des historischen Areals „Tiergartenstraße 4" erneuert und vorgeschlagen, dass am Ort der Planung und Organisation der „Euthanasie"-Verbrechen im Rahmen der städtebaulichen Neuordnung des Kulturforums ein künstlerisch gestalteter Gedenk- und Informationsort - unter Einbeziehung der vorhandenen Bronzetafel – errichtet wird. Es wird betont, dass die mit dem Wettbewerb angestrebte Neufassung zwingend beiden Aspekten - Gedenken und Information - gerecht werden muss. Der Runde Tisch unterstützt den in dieselbe Richtung zielenden Appell des „Arbeitskreises zur Erforschung der nationalsozialistischen ‚Euthanasie‘ und Zwangssterilisation“. |
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Haltestellenprojekt
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Andere Initiativen Es ist bürgerschaftlichem Engagement zu verdanken, dass es in den 80er Jahren nach jahrzehntelanger Nichtbeachtung überhaupt zu einer - wenn auch aus heutiger Sicht nicht ausreichenden - Markierung des historischen Ortes Tiergartenstraße 4 kam. Eine wichtige Grundlage dafür war das 1987 erschienene Buch des Historikers Götz Aly über die „T4“-Zentrale. 1987 - Ausstellung über die „Aktion T4“ von Götz Aly Auch Initiativen anderer haben immer wieder geholfen, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema NS-„Euthanasie“ zu lenken. So hat Ronnie Golz, ein Mitglied des Runden Tisches, in Kooperation mit einer führenden Firma für Plakatwände und Stadtmöbel mit dem Haltestellenprojekt „‚Aktion T4‘ und der Holocaust“ auf den Zusammenhang des Mordprogramms an den Kranken mit dem späteren Genozid an den europäischen Juden verwiesen. Am 25. Oktober 2007 wurden in den beiden Haltstellen an der Philharmonie Glasplatten mit Informationen der Öffentlichkeit übergeben. |
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Gedenkveranstaltung
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Auf Initiative des
Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener e.V.
und des „Aktionskreises ‚T4‘-Opfer nicht vergessen“ (ein
Zusammenschluss namhafter Verbände und Organisationen
der bundesdeutschen Psychiatrie) findet seit 2007 an
jedem ersten Sonnabend im September eine „Mahn- und
Gedenkveranstaltung für die Opfer der
Erbgesundheitsgesetze des Nationalsozialismus“ auf dem
Vorplatz der Philharmonie statt.
Das Jüdische Museum Berlin hat vom 13. März bis 19. Juli 2009 die vom US Holocaust Memorial Museum konzipierte, bereits im Hygiene Museum Dresden gezeigte, Ausstellung "Tödliche Medizin" präsentiert. |
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Aktuell
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