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Erinnerungsarbeit - 2003 bis 2009

»Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst«


Anna Lehnkering

Anna Lehnkering (1915 - 1940)

 

Im Alphabet-Garten der Gedenkstätte Grafeneck erinnert der Buchstabe A indirekt an Anna. Die 26 Buchstaben des Alphabets erinnern dort an die Namen der 10.654 Opfer der NS-"Euthanasie" in Grafeneck im Jahr 1940 - an die namentlich bekannten und an die unbekannten. Anna gehörte viele Jahrzehnte zu den unbekannten Opfern.

 

 

 

 

 

 

 

A wie Anna
Alphabetgarten in Grafeneck,

© Foto K. Diegel  

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Gedenkstätte Grafeneck

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Anna Lehnkering

1915 geboren in Oberhausen/Rheinland

1935 Zwangssterilisierung im Ev. Krankenhaus Mülheim a.d. Ruhr

1936 Beginn ihres langsamen Sterbens in Bedburg-Hau

1940 ermordet in der Gaskammer von Grafeneck im Alter von 24 Jahren

Anna war mehr als 60 Jahre lang vergessen!

Der Sinn dieser Seiten ist, Anna Namen und Gesicht zurückzugeben!


Spurensuche - von Bedburg-Hau nach Grafeneck

Der Anlass für meine bis heute andauernde Erinnerungsarbeit ist das Schicksal meiner Tante Anna Lehnkering. Nachdem ich 2003 per Zufall ihren Namen auf einer Liste von „Euthanasie"-Opfern im Internet gefunden hatte, begab ich mich auf Spurensuche. Ich verfolgte Annas Spuren vom Ruhrgebiet aus mit Umweg über Berlin, nach Bedburg-Hau und von dort nach Grafeneck. Betroffen musste ich feststellen, dass man sie vergessen hatte. Nirgendwo gab es eine Erinnerung an Anna, geschweige denn ein würdevolles Gedenken.  Darum veröffentlichte ich 2004 auf dieser Website den folgenden Appell:

Gegen das Vergessen und für ein würdiges Gedenken der „Euthanasie"-Opfer aus Bedburg-Hau im Namensbuch der Gedenkstätte Grafeneck!

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Meine Hoffnung, durch das Internet Aufmerksamkeit und Unterstützung für mein Anliegen zu erreichen, hat sich inzwischen in einem Umfang erfüllt, mit dem ich damals nicht gerechnet hätte.

Nach einem langjährigen und mühsamen Prozess der Erinnerungsarbeit konnte ich diese Seite im Januar 2009  mit einer Erfolgsmeldung aktualisieren:

Die Opfer der Krankenmorde aus Bedburg-Hau haben Namen und Gesicht zurückerhalten.

Aufzählung

Im Rahmen einer Feier in der LVR-Klinik Bedburg-Hau wurde am 27. Januar 2009 ein Gedenkbuch mit den Namen von insgesamt 2.832 deportierten Menschen der Öffentlichkeit übergeben. Für 301 Männer und 320 Frauen konnten das genaue Sterbedatum und der Sterbeort ermittelt werden. Ich gehe davon aus, dass die Namen demnächst auch an die Gedenkstätte Grafeneck übermittelt werden.

Aufzählung

Die Installation "Aennes letzte Reise" von der Künstlerin Ulrike Oeter wurde käuflich erworben. Annas Gesicht ist nun dauerhaft - stellvertretend für alle Opfer - im Klinikmuseum zu sehen.

Aufzählung

Am selben Tag wurde die temporäre Ausstellung "Krankenmord im Nationalsozialismus – Grafeneck 1940" in der Klinik Bedburg-Hau eröffnet. Die Wanderausstellung informiert über die Ermordung von mehr als 10.600 kranken und behinderten Menschen in Grafeneck im Jahr 1940 im Rahmen der "Aktion T4" , darunter mehr als 450 Menschen aus Bedburg-Hau.

Aufzählung

Bedburg-Hau, 27.1.09

- Rede von Dr. F. Leidinger

- Klever Wochenblatt  

- nrz online Artikel

- Rheinische Post


Hiermit danke ich allen Menschen, die dabei geholfen haben, die Opfer nach Jahrzehnten des Schweigens der Anonymität zu entreißen, um ihnen mit der Nennung ihres Namens ein Stück ihrer Würde und Persönlichkeit zurückzugeben. Vor allem aber möchte ich Heinz Oberbanscheidt nennen, unermüdlicher und unerschrockener Kämpfer für die Rechte derjenigen, die selbst nicht mehr sprechen und kämpfen können. Zurzeit versucht er die genaueren Todesumstände eines 13-jährigen behinderten Jungen im Jahr 1941 zu klären, was sich als sehr schwierig erweist. Er schrieb mir vor einigen Tagen: "unter dem strich muss man feststellen: es gibt eben zweierlei arten von stolpersteinen. beiden begegnet man heute - den einen gott sei dank und den anderen leider noch immer."

Für alle, die Anteil an meiner Erinnerungsarbeit genommen haben oder interessiert sind, habe ich den Erinnerungsprozess ausführlich dokumentiert. Die Aufzeichnung ist ein Beispiel für die teilweise dürftige Erinnerungskultur in diesem Land, wenn es um die nationalsozialistischen Krankenmorde geht. Gleichzeitig gibt der Erfolg aber auch Hoffnung und ermutigt zum Weitermachen.

Ausführliche Chronik meiner Erinnerungsarbeit (PDF-Dokument)

S. Falkenstein, 2009


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