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NS "Euthanasie"

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Neu!
Das Buch über Annas Lebensgeschichte und
meine Spurensuche
(Juni/2012)

Annas Spuren

 

 

 

Eugenik

Eugenik bezeichnet seit 1883 die Anwendung humangenetischer Erkenntnisse auf die Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik mit dem Ziel, den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern und den negativ bewerteter Erbanlagen zu verringern. Die Eugenik war in vielen Ländern in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts populär."

Quelle: Wikipedia

Rassenhygiene

"Die Nationalsozialistische Rassenhygiene stellte eine Radikalvariante der Eugenik dar. Die praktische Umsetzung erfolgte durch den Einfluss auf die Wahl der Geschlechts- und Ehepartner durch die Nürnberger Gesetze und Eheverbote, auf die Zwangssterilisation bei verschiedenen Krankheitsbildern und Bevölkerungsgruppen, durch Zwangsabtreibungen bis zur Vernichtung „lebensunwerten Lebens“, beispielsweise durch die so genannte Kinder-Euthanasie."

Quelle: Wikipedia

Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, das am 14. Juli 1933 erlassen wurde, gehörte zu den ersten Rassengesetzen der Nationalsozialisten und hatte das Ziel, „den Volkskörper zu reinigen und die krankhaften Erbanlagen allmählich auszumerzen“.

 

NS „Euthanasie" und Zwangssterilisation

Ausgrenzung - Entwürdigung - Vernichtung


Erinnerung an Anna und die vielen anderen vergessenen Opfer


Annas Schicksal - der Anlass für diese Website 

Diese Website entstand, nachdem ich 2003 per Zufall erfahren hatte, dass Anna, die Schwester meines Vaters, im Rahmen der "Aktion T4" Opfer der NS-"Euthanasie" wurde. Gemäß der menschenverachtenden Rassenideologie der Nationalsozialisten hatte man Anna als "erbkrank" und "minderwertig" eingestuft.

Im Verlauf meiner Spurensuche fand ich drei Stationen, die ihren Leidensweg von der Ausgrenzung, über die Entwürdigung, bis hin zur psychischen und schließlich physischen Vernichtung markieren. 1935 wird Anna im Ev. Krankenhaus der Stadt Mülheim a.d. Ruhr zwangssterilisiert. 1936 erfolgt ihre Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau. Von dort aus wird sie nach drei qualvollen Jahren Anfang 1940 in die "Euthanasie"-Vernichtungsanstalt Grafeneck deportiert, wo sie im Alter von 24 Jahren als "lebensunwerter" Mensch in der Gaskammer ermordet wird. mehr »

Anna Lehnkering, 1932

Anna Lehnkering

1940 im Alter von 24 Jahren

ermordet  in Grafeneck


NS-"Euthanasie" und Zwangssterilisation

An Anna wurde – wie an hunderttausenden anderen kranken und wehrlosen Menschen – der „Gnadentod" vollstreckt. Mit dem missbräuchlich verwendeten Begriff „Euthanasie" (griech.: schöner, leichter Tod) tarnten die Nationalsozialisten zynisch und beschönigend den organisierten Massenmord an kranken Menschen, die man im Sinne von rassenbiologischen Wahnvorstellungen für „lebensunwert" befunden hatte.

Ziel der nationalsozialistischen Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik war die Schaffung einer erbgesunden »arischen« Rasse. Ausgehend von sozialdarwinistischen Ideen, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg - auch in anderen Ländern Europas und in den USA - Eingang in die modernen Wissenschaften Eugenik und Rassenhygiene gefunden hatten, kam es zu Beginn des Zweiten Weltkrieges - beschleunigt durch ökonomische Interessen - zur völligen Pervertierung dieser Ideen.

Es wird geschätzt, dass bis Kriegsende mindestens 400.000 Menschen aufgrund des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses zwangssterilisiert wurden. Etwa 300.000 Menschen wurden nach derzeitigem Forschungsstand Opfer der "Euthanasie"-Morde.

Der Ablauf der "Euthanasie" kann grob in folgende Phasen eingeteilt werden:

  • 1939 – 1945
    die Kindereuthanasie, die Ermordung "missgebildeter" Neugeborener und Kleinkinder, später auch Jugendlicher in „Kinderfachabteilungen“

  • 1940 – 1941
    die Aktion "T4", die Ermordung von Patienten und Patientinnen aus Heil- und Pflegeanstalten in den Gaskammern der Tötungsanstalten Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna/Sonnenstein, Bernburg und Hadamar. (Die Aktion "T4" gilt als das Modell für den millionenfachen Mord an den europäischen Juden, der nur kurze Zeit später begann.)

  • 1941 – 1945
    die "wilde Euthanasie", dezentrale Morde durch Medikamente und Nahrungsentzug in vielen Heil- und Pflegeanstalten

  • 1941 – 1944
    die Aktion "14f13", die Ermordung arbeitsunfähiger oder politisch bzw. "rassisch" verfolgter Häftlinge von Konzentrationslagern     mehr »

Verdrängung und Vergessen

Zwangssterilisation und "Euthanasie"-Morde wurden jahrzehntelang aus dem kollektiven Gedächtnis unserer Gesellschaft verdrängt. mehr »

 

Erinnerungsarbeit in Grafeneck, Bedburg-Hau und Mülheim a.d. Ruhr

Auch Annas Schicksal war lange Jahre vergessen – sogar in ihrer Familie. Nachdem ich 2003 erfahren hatte, was geschehen war, bin ich den Spuren ihres Lebens und Sterbens nachgegangen. Im Verlauf dieser Spurensuche stellte ich fest, dass es nach Jahrzehnten des Verschweigens und Verdrängens immer noch kein angemessenes Gedenken für Anna und viele andere Opfer gibt. Auch stieß ich bei meinen Recherchen auf unerwarteten Widerstand und Ignoranz. Aus dieser erschreckenden Erkenntnis leite ich für mich die Verpflichtung ab, daran mitzuwirken, dass die Erinnerung nicht verloren geht und für uns und die nächsten Generationen aufbewahrt wird.   

Meine Erinnerungsarbeit begann mit großen Schwierigkeiten in Bedburg-Hau  mehr »

 

Gedenkzeichen für Anna

Inzwischen gibt es über dieses Internetprojekt hinaus weitere sichtbare Zeichen des Gedenkens an Anna:

  • Installation der Erinnerung "Aennes letzte Reise" von Ulrike Oeter in Bedburg-Hau mehr »

  • Stolperstein in Mülheim a.d. Ruhr mehr »

  • Im Zug der Erinnerung wurde neben anderen Opfern der "Euthanasie" auch an Anna erinnert.  mehr »

  • In dem Schulbuch "Zeiten und Menschen", Bd.3, Verl. Schöningh gibt es nicht nur eine Abbildung von Annas Stolperstein, sondern ihr Schicksal wird auf einer ganzen Schulbuchseite als exemplarisch für den Umgang mit Behinderten während der Zeit des Nationalsozialismus behandelt. So ist Anna tatsächlich „in die Geschichte eingegangen“.

  • 2010 konnte ich im Rahmen der ersten Gedenkfeier der DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde) stellvertretend für andere Angehörige an Anna erinnern.
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"Aktion T4" - Runder Tisch zur Umgestaltung des historischen Areals Tiergartenstraße 4 mehr »

Als ich zum ersten Mal die sogenannte „T4"-Gedenkstätte in meinem Wohnort Berlin aufsuchte, war ich entsetzt über den Zustand dieses Platzes. Die unscheinbare, beschmutzte Gedenkplatte, die ich dort vorfand, schien mir ein weiteres Symbol für das Vergessen behinderter Menschen zu sein, die doch als erste Personengruppe Opfer des nationalsozialistischen Massenmordes wurden. Seit Anfang 2007 bin ich Mitglied eines Runden Tisches, der die Neugestaltung des historischen Ortes Tiergartenstraße 4 fordert und durch verschiedene Aktionen bisher auch schon Einiges erreicht hat. mehr »

Ausblick

Man hatte Anna und ihren Leidensgefährten nicht nur die Menschenwürde und das Leben genommen, sondern auch die Erinnerung an sie ausgelöscht. Der Sinn dieser Seiten ist, das zu ändern und ihr Andenken zu bewahren als Mahnung zu Menschlichkeit und Toleranz.

Ob in Grafeneck, Bedburg-Hau, Mülheim a.d. Ruhr, Berlin oder im virtuellen Raum des Internets - in den letzten Jahren hatte ich viele interessante und auch berührende Begegnungen mit Menschen, die dasselbe Ziel verfolgen wie ich: die Erinnerung an die Opfer der NS-Medizinverbrechen wach zu halten. All die Begegnungen ermutigen zum Weitermachen, denn "viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern."

Es gibt kein Verständnis von Gegenwart und Zukunft
ohne Erinnerung an die Vergangenheit!


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