NS -„Euthanasie" / Bedburg-Hau & Grafeneck

Installation von Ulrike Oeter, ArToll 2006 in Bedburg-Hau

"Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart." R. v. Weizsäcker

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Ausgrenzung  Entwürdigung  Vernichtung

Erinnern und Gedenken an Anna Lehnkering

sowie an die vielen anderen vergessenen Opfer der

NS „Euthanasie" und Zwangssterilisation


Inhalt dieser Website

 

Home

Annas Geschichte

Gegen das Vergessen
Gedenken an die Opfer aus Bedburg-Hau

Installation der Erinnerung
"Aennes letzte Reise"
in Bedburg-Hau

Stolperstein für Anna

in Mülheim a.d. Ruhr

Grafeneck 2006

Fotos K. Diegel

„T 4"-Gedenken in Berlin

- Runder Tisch -

Patientenakten

Links & Literatur


Termine

Aufzählung

Mahn- und Gedenkveranstaltung
für die Opfer der Erbgesundheits-
gesetze des Nationalsozialismus
Sb., 04.09.2010
Beginn 14.00 Uhr
Tiergartenstraße 4, Berlin-Mitte

Aufzählung

Einladung

Aufzählung

Rahmenprogramm
Fr., 03.09.2010

Aufzählung

Das Denkmal der Grauen Busse in Pirna
Aufstellung 24. Juni 2010

Neu

Aufzählung

Buch von Daniela Martin:
Die Blumen haben fein geschmeckt - Das Leben meiner Urgroßmutter Anna L. (1893-1940)
Ausführliche Buchvorstellung im domradio

Aufzählung

Orte der Erinnerung 1933 - 1945 - Gedenkstätten, Dokumentationszentren u. Museen zur Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur in Berlin und Brandenburg

Aufzählung

AG Bund der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterislierten (BEZ)

Aufzählung

Umfangreiche und sehr informative Internetseite zur "Euthanasie"

Aufzählung

Gedenk- und Doku-Blog über ein Opfer der NS-Psychiatrie
Erna K. - "Mein Lachen ist Weinen."

Aufzählung

Film zur "Spur der Erinnerung"
Eine Dokumentation über eine große Bürgeraktion 30 Minuten auf DVD. Einzeln 14,95; ab 10 Stück 12,00.  Bestellungen an Die AnStifter. Olgastraße 1 A, 70182 Stuttgart kontakt@die-anstifter.de

Aufzählung

Spurensicherung
Stuttgarter Initiativen Stolpersteine und AnStifter

Presse
Aufzählung

Presseinfo des Bundesbeauftragen für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe
27.01.2010

Aufzählung

Berlin fordert Unterstützung vom Bund für «Euthanasie»-Denkmal 13.01.2010

Sonstiges

Aufzählung

Februar 2010, Brief an Bundespolitiker/innen mit Forderung nach einem Gedenk- und Informationsort in Berlin
(S. Falkenstein)


Annas Schicksal - der Anlass für diese Website 

Diese Website entstand, nachdem ich 2003 per Zufall erfahren hatte, dass Anna, die lernbehinderte Schwester meines Vaters, im Rahmen der "Aktion T4" Opfer der NS-"Euthanasie" wurde. Gemäß der menschenverachtenden Rassenideologie der Nationalsozialisten hatte man Anna als  "erbkrank" und "minderwertig" eingestuft.

Im Verlauf meiner Spurensuche fand ich drei Stationen, die ihren Leidensweg von der Ausgrenzung, über die Entwürdigung, bis hin zur psychischen und schließlich physischen Vernichtung markieren:  1935 wird Anna im Ev. Krankenhaus der Stadt Mülheim a.d. Ruhr zwangssterilisiert. 1936 erfolgt ihre Einweisung in die Heil-und Pflegeanstalt Bedburg-Hau. Von dort aus wird sie nach drei qualvollen Jahren Anfang 1940 in die "Euthanasie"-Vernichtungsanstalt Grafeneck deportiert, wo sie im Alter von 24 Jahren als "lebensunwerter" Mensch vergast wird.    mehr ...

NS-"Euthanasie" und Zwangssterilisation

An Anna wurde – wie an hunderttausenden anderen hilfsbedürftigen und wehrlosen Menschen – der „Gnadentod" vollstreckt. Mit dem missbräuchlich verwendeten Begriff „Euthanasie" (griech.: schöner, leichter Tod) tarnten die Nationalsozialisten zynisch und beschönigend den organisierten Massenmord an kranken Menschen, die man im Sinne von rassenbiologischen Wahnvorstellungen für „lebensunwert" befunden hatte. Ziel der nationalsozialistischen Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik war die Schaffung einer erbgesunden »arischen« Rasse. Ausgehend von sozialdarwinistischen Ideen, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg - auch in anderen Ländern Europas und in den USA - Eingang in die modernen Wissenschaften Eugenik und Rassenhygiene gefunden hatten, kam es zu Beginn des Zweiten Weltkrieges - beschleunigt durch ökonomische Interessen - zur völligen Pervertierung dieser Ideen. Es wird geschätzt, dass bis Kriegsende mindestens 400.000 Menschen aufgrund des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" zwangssterilisiert und mehr als 200.000 behinderte und kranke Menschen ermordet wurden.

Der Ablauf der "Euthanasie" kann grob in folgende Phasen eingeteilt werden:

Aufzählung

1939 – 1945
die "Kindereuthanasie", die Ermordung "missgebildeter" Neugeborener und Kleinkinder, später auch Jugendlicher in „Kinderfachabteilungen“

Aufzählung

1940 – 1941
die Aktion "T4", die Ermordung von Patienten und Patientinnen aus Heil- und Pflegeanstalten in den Gaskammern der Tötungsanstalten
Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna/Sonnenstein, Bernburg und Hadamar. (Die Aktion "T4" gilt als das Modell für den millionenfachen Mord an den europäischen Juden der nur kurze Zeit später begann.)

Aufzählung

1941 – 1945
die "wilde Euthanasie", dezentrale Morde durch Medikamente und Nahrungsentzug in vielen Heil- und Pflegeanstalten

Aufzählung

1941 – 1944
die Aktion "14f13", die Ermordung arbeitsunfähiger oder politisch bzw. "rassisch" verfolgter Häftlinge von Konzentrationslagern     mehr ...

Erinnerungsarbeit in Grafeneck, Bedburg-Hau und Mülheim a.d. Ruhr

Annas Schicksal war lange Jahre vergessen – auch in ihrer Familie. Nachdem ich 2003 erfahren hatte, was geschehen war, bin ich den Spuren ihres Lebens und Sterbens nachgegangen. Im Verlauf dieser Spurensuche stellte ich fest, dass es nach Jahrzehnten des Verschweigens und Verdrängens immer noch kein angemessenes Gedenken für Anna und viele andere Opfer gibt. Auch stieß ich bei meinen Recherchen auf unerwarteten Widerstand und Ignoranz. Aus dieser erschreckenden Erkenntnis leite ich für mich die Verpflichtung ab, daran mitzuwirken, dass die Erinnerung nicht verloren geht und für uns und die nächsten Generationen aufbewahrt wird.   

Meine Erinnerungsarbeit begann mit großen Schwierigkeiten in Bedburg-Hau  mehr ...

Gedenkzeichen für Anna

Inzwischen gibt es über dieses Internetprojekt hinaus weitere sichtbare Zeichen des Gedenkens an Anna:

Aufzählung

Installation der Erinnerung "Aennes letzte Reise" in Bedburg-Hau mehr ...

Aufzählung

Stolperstein in Mülheim a.d. Ruhr mehr ...

Aufzählung

Im Zug der Erinnerung wurde neben anderen Opfern der "Euthanasie"-Morde auch an Anna erinnert.  mehr ...

Aufzählung

In dem Schulbuch "Zeiten und Menschen" (Bd.3, Verl. Schöningh) gibt es nicht nur eine Abbildung von Annas Stolperstein, sondern ihr Schicksal wird auf einer ganzen Schulbuchseite als exemplarisch für den Umgang mit Behinderten während der Zeit des Nationalsozialismus behandelt. So ist Anna tatsächlich „in die Geschichte eingegangen“.

"Aktion T4"
Runder Tisch zur Umgestaltung des historischen Areals Tiergartenstraße 4

Als ich zum ersten Mal die sogenannte „T4"-Gedenkstätte in meinem Wohnort Berlin aufsuchte, war ich entsetzt über den Zustand dieses Platzes. Die unscheinbare, beschmutzte Gedenkplatte, die ich dort vorfand, schien mir ein weiteres Symbol für das Vergessen behinderter Menschen zu sein, die doch als erste Personengruppe Opfer des nationalsozialistischen Massenmordes wurden. Seit Anfang 2007 bin ich Mitglied eines Runden Tisches, der die Neugestaltung des historischen Ortes Tiergartenstraße 4 fordert und durch verschiedene Aktionen bisher auch schon Einiges erreicht hat.

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Ausblick

Ob in Grafeneck, Bedburg-Hau, Mülheim a.d. Ruhr, Berlin oder im virtuellen Raum des Internets - in den letzten Jahren hatte ich viele interessante und auch berührende Begegnungen mit Menschen, die dasselbe Ziel verfolgen wie ich: die Erinnerung an die Opfer der NS-Medizinverbrechen wach zu halten. All die Begegnungen ermutigen zum Weitermachen, denn "viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern."

Sigrid Falkenstein

Man hatte Anna und ihren Leidensgefährten nicht nur die Menschenwürde und das Leben genommen, sondern auch die Erinnerung an sie ausgelöscht. Der Sinn dieser Seiten ist, das zu ändern und ihr Andenken zu bewahren als Mahnung zu Menschlichkeit und Toleranz.

Es gibt kein Verständnis von Gegenwart und Zukunft ohne Erinnerung an die Vergangenheit!

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